Grußbotschaft von Landeshauptmann Luis Durnwalder

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Minderheiten brauchen Geduld und Mut

Im Szeklerland und in Südtirol leben nicht nur Menschen verschiedener ethnischer Gruppen zusammen, bis zum Ende des Ersten Weltkriegs waren beide Länder auch Teil des österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaates. Seither haben sich die Südtiroler und die Szekler zwar in anderen Nationalstaaten entwickelt, aber in beiden Gesellschaften hat eine Minderheitensituation die Entwicklung seither entscheidend geprägt.
Für Südtirol hat die Auflösung des Habsburgerreiches die Trennung vom Vaterland und die Annexion durch Italien mit sich gebracht. Die mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung des südlichen Teils der ehemaligen Grafschaft Tirol ist von einem Tag auf den anderen zur Minderheit in einem ihr fremden Staatsgebilde geworden.
Es hat Jahrzehnte gedauert, bis der Minderheitenschutz in Südtirol so verankert werden konnte, dass er keiner der drei in unserem Land lebenden Bevölkerungsgruppen zum Nachteil gereichte, sondern - im Gegenteil - die Grundlage einer erfolgreichen Entwicklung bildete.
Als Südtiroler haben wir verschiedene Phasen des Minderheitenschutzes durchlaufen, haben am eigenen Leib erfahren müssen, was es bedeutet, wenn dieser Schutz fehlt. Ich erinnere an die Ära von Faschismus und Nationalsozialismus, in denen die deutschsprachige Minderheit in Italien Gefahr lief, eliminiert oder zumindest assimiliert zu werden. Südtirol hat nach dieser Erfahrung auch am eigenen Leib erfahren, wie sich ein ungenügender Minderheitenschutz anfühlt, als mit dem Ersten Autonomiestatut im Jahr 1948 Südtirol zwar auf dem Papier eine Autonomie zugestanden worden ist, diese Autonomie aber eben nur auf dem Papier bestand.
Erst mit dem Zweiten Autonomiestatut hat Südtirol 1972 einen Minderheitenschutz erhalten, der wirtschaftliches Wachstum und friedliches Zusammenleben garantierte. Dabei hat es zwei Jahrzehnte gedauert, um das Zweite Autonomiestatut vom Papier in die Praxis zu übertragen und den Minderheitenschutz voll zu entfalten. 20 Jahre, in denen im gegenseitigen Einvernehmen zwischen den Sprachgruppen dafür gesorgt worden ist, dass die für die Bevölkerung bestmögliche Lösung gefunden wird. Zug um Zug ist so ein Gesellschaftssystem entwickelt worden, das heute als Beispiel gelungenen Minderheitenschutzes weltweit Lob und Anerkennung findet.
Der Erfolg des Zweiten Autonomiestatutes liegt darin begründet, dass sich Deutsche, Italiener und Ladiner in den vergangenen Jahrzehnten näher kommen und sich kennen lernen konnten und sich auf diese Weise das Zusammenleben zwischen den Sprachgruppen von einem Gegeneinander über ein Nebeneinander zu einem Miteinander gewandelt hat.
Die vergangenen Jahre und Jahrzehnte in Südtirol haben gezeigt, dass erfolgreiche Minderheitenpolitik eine Politik sein muss, die alle mit einschließt. Nicht die Abschottung, der Rückzug oder die Abgrenzung der eigenen Gruppe von anderen macht den Minderheitenschutz aus. Das Gegenteil ist der Fall: Minderheiten müssen den Mut aufbringen, den Blick über die Grenzen hinaus zu werfen und die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften zu suchen. Eine Minderheit ist geradezu prädestiniert dazu, Brücken zwischen Lebensräumen, zwischen Staaten oder zwischen Sprachräumen zu bauen. Diese Möglichkeiten sollten wir gerade in einem Europa, das uns wie einst die österreichisch-ungarische Monarchie ein gemeinsames Dach bietet, nützen.

Bozen, 10 03 2013
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