Szekler wollen Rechte wie Katalanen

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Europarats-Empfehlung zu Regionalisierung begrüßt – Ruf nach Beobachtern

Von Hatto Schmidt

  Die Szekler hoffen bei ihren Autonomie-Bestrebungen auf die Hilfe von Lluis Maria de Puig, Senator aus Katalonien und Präsident der spanischen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats.
Foto: APA/epa/Vergult

Marosvásárhely/Târgu Mureş/Neumarkt (sch) – Der Nationalrat der Szekler ersucht in einem Offenen Brief an Lluís Maria de Puig um Entsendung eines Beobachters des Europarates ins Szeklerland. De Puig ist Senator aus Katalonien und Präsident der spanischen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Er hat die Europarats-Empfehlung Nr. 1811/2007 zur Regionalisierung in Europa vorangetrieben.

Der Beobachter des Europarates solle die allgemeine Situation der ungarischen Minderheit im Szeklerland untersuchen und die Szekler-Forderung nach territorialer Autonomie prüfen. So könne die Parlamentarische Versammlung des Europarats in die Lage versetzt werden, eine Resolution zur Autonomie des Szeklerlandes zu beschließen. Diese Resolution solle eine strenge Ermahnung an Rumänien sein, den Autonomiewunsch der Szekler entsprechend der eingegangen Verpflichtungen zu behandeln. Ähnliche Resolutionen habe der Europarat mehrfach beschlossen, schreibt der Präsident des Nationalrats der Szekler, Imre Fodor.

Die Szekler begrüßen im Brief die Europarats-Empfehlung: Es sei kein Zufall, dass diese von einem Katalanen vorangetrieben wurde. Die Katalanen hätten sofort nach Zusammenbruch des Franco-Regimes ein beispielhaftes System für die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes erarbeitet, das ein Modell für die Minderheiten weltweit sei.

Rumänien dagegen sei seit nunmehr 17 Jahren im Verzug. Nach der Wende 1989 sei die politische Elite die Nutznießerin der von den Kommunisten ererbten Machtkonzentration gewesen und geblieben. Diese Elite betrachte Dezentralisierung und Subsidiarität als Einschränkung ihrer Macht.

Die rumänischen Politiker betrieben ein doppeltes Spiel, schreibt der Nationalrat der Szekler: Einserseits gäben sie vor, alle Erwartungen der EU im Hinblick auf Regionalisierung und regionale Demokratisierung erfüllen zu wollen. Andererseits wollten sie entgegengesetzte Mechanismen in Gang halten, die nur ihren eigenen Interessen dienten.

Der Nationalrat der Szekler versuche eine territoriale Autonomie fürs Szeklerland zu erreichen, indem er funktionierende Beispiele in Europa zum Vorbild nehme, internationale Standards anstrebe und sich an die Empfehlungen des Europarates halte. Ein all dies berücksichtigender Gesetzesvorschlag für eine Autonomie sei im rumänischen Parlament ohne Debatte abgelehnt worden.

Ein Versuch, im Szeklerland in einem Referendum über die Autonomie abstimmen zu lassen, sei von den rumänischen Behörden verhindert worden, weil über die Vereinigung der drei Szekler-Kreise zu einer autonomen Region nur in einem staatsweiten Referendum entschieden werden könne.

Daraufhin habe der Nationalrat ein inoffizielles Referendum durchgeführt, bei dem eine überwältigende Mehrheit der 170.000 Befragten für eine Autonomie des Szeklerlandes plädiert habe.



STICHWORT: Die Szekler

Marosvásárhely/Târgu Mureş/Neumarkt – Die Szekler bewohnen ein Gebiet im Osten Siebenbürgens (im Karpatenbogen in der Mitte Rumäniens) und sprechen einen Dialekt des Ungarischen (Szekler-Dialekt).

Im Jahre 2002 lebten auf dem Boden des historischen Szeklerlandes etwa 670.000 Szekler und 407.000 Rumänen, sowie Mitglieder anderer Minderheiten (z. B. Roma, Armenier und Juden). Die Szekler waren ursprünglich wohl ein Turkvolk, das im 11. Jahrhundert nach der Landnahme der Ungarn in der Pannonischen Tiefebene zur Grenzsicherung des immer weiter nach Osten hinausgeschobenen Herrschaftsgebietes eingesetzt und allmählich madjarisiert wurde. Zwischen dem 12./13. Jahrhundert und 1867 besaß die territorialgebundene Rechtsgemeinschaft der Szekler eine mit den Siebenbürger Sachsen vergleichbare innere Autonomie in vielen Lebensbereichen. Bis ins frühe 18. Jahrhundert fungierten sie in den ihnen zugewiesenen Teilen des Königreichs Ungarn als "Grenzwächter".

Bis ins späte 18. Jahrhundert besaßen die Szekler ein eigenes Rechtssystem, das sich vom ungarischen unterschied. Siebenbürgen wurde nach dem Ersten Weltkrieg an Rumänien angegliedert. Die Szekler leben relativ kompakt in drei siebenbürgischen Kreisen (Harghita, Kovasna und Maros), wo sie die Mehrheit bilden. Insgesamt (die Szekler eingeschlossen) leben in ganz Rumänien heute rund 1,6 Millionen Ungarn.


14. Dezember 2007 - Dolomiten (Nr. 287)

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